HEXIS

Die Dänen wissen nach mehr als 800 Konzerten ganz genau, was sie musikalisch tun müssen, um ihr Publikum zu ängstigen und mit ihrem Ansatz Wirkung zu erzielen. Der Einstand von HEXIS auf Debemur Morti heißt „Aeternum“ und bietet wiederum einen destruktiven, düsteren Sound-Mix, der auf einer Unruhe stiftenden Mischung aus Black und Post-Metal, Sludge, Blackened Hardcore, Noise sowie Dark-Ambient basiert.

„Ich denke gerne, dass wir mehr als nur das sind“, erwidert Frontmann Filip auf die Frage, ob es der seit 2010 aktiven Gruppe allein darum geht, als extrem, hart und düster aufzufallen. „Ein guter Song muss für mich eingängig und einprägsam sein. Egal, aus welchem Musik-Genre er stammt. Ob er soft oder heavy ist. Was ich sagen kann, ist, dass wir in unser Songwriting eine Menge Gedanken stecken. Wenn ein Song in meinem Kopf keinen Bestand hat, dann schafft er es am Ende normalerweise auch nicht in die Auswahl.“ Diese Einlassung überrascht. HEXIS klingen jederzeit roh und ungehobelt, holen Hörer:innen barsch auf den Boden der Realität zurück und vermiesen ihnen die Stimmung.

„Ich erinnere, dass uns jemand einmal als „Gewaltmusik, aber mit Hirn“ bezeichnet hat“, greift das einzig verbliebene Gründungsmitglied den Gedanken auf. „Diese Beschreibung gefällt mir irgendwie, doch ich weiß nicht, ob ich mich verstanden fühle oder nicht. Wir haben eine ziemlich anständige Fan-Gemeinde, die versteht, was wir machen. Ganz sicher. Aber da wir versuchen, Hardcore und Black Metal miteinander zu vermischen, kann das auch schwierig sein. Dieser Musik-Mix ist für die Leute inzwischen definitiv verständlicher als noch vor zwölf Jahren, als wir angefangen haben. Und dennoch habe ich immer noch das Gefühl, dass Hardcore-Kids das Ganze nicht wirklich nachvollziehen. Fans des Black Metal wiederrum können sehr streng sein, weshalb es für sie nicht akzeptabel ist, Musik-Genres zu mischen. Was wir für uns ausgewählt haben, ist also nicht der einfachste Musik-Mix. Darum ging es uns aber sowieso nie. Wir haben immer nur das geschrieben, was uns selbst gefällt.“

Die Gruppe aus Kopenhagen drückt ohne Unterlass. Dabei ist es egal, ob Tempo und Komplexität gerade hoch sind oder langsamere, klaustrophobisch anmutende Passagen erklingen. Bitter ist die Wirkung von „Aeternum“ in jedem Fall. Die zwölf Tracks des Albums sind über den Zeitraum von drei Jahren und damit die Phase der Pandemie entstanden: „Es war definitiv das schwierigste Album, das wir geschrieben haben“, verrät Filip. „Wir wollten die Messlatte unbedingt höher legen. Deshalb haben viele Songs, die für uns vor fünf oder zehn Jahren noch gut genug gewesen wären, dieses Mal nicht den Zuschlag bekommen. Es war nicht nur schwieriger, weil wir die Qualität steigern wollten, sondern auch deshalb, weil wir eine neue Richtung einschlagen und Dinge ausprobieren wollten, die wir vorher noch nicht gemacht haben, anstatt nur zu versuchen, das zu wiederholen, was wir in der Vergangenheit schon getan haben. Ich persönlich wollte mich auch gesanglich unbedingt zu verbessern. Das ist das erste Album, bei dem ich stolz auf meine eigene Leistung bin. Das ist ein schönes Gefühl.“ Die Pandemie hat sich für den Frontmann diesbezüglich als Glücksfall erwiesen: „Der größte Fortschritt für mich selbst resultiert daher, weil ich in den letzten Jahren alleine zu Hause üben konnte. Das hat mir mehr gebracht als mit anderen Leuten zusammen zu proben. Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich stimmlich einigen Einschränkungen unterliege. Es gibt einige Dinge, die ich mit meiner Stimme gerne noch machen möchte, es aber noch nicht kann. Deshalb muss ich noch viel mehr üben. Das steht also auf meiner eigenen Liste der Dinge, die ich angehen werde, bevor wir das nächste Mal ins Studio gehen.“

Bei den Dänen stellt sich das Ergebnis der kreativen Arbeit stets im Spannungsfeld von Planung und Zufall ein: „Ja, es ist beides“, bestätigt Filip. „Als wir mit dem Schreiben für „Aeternum“ begannen, schrieben wir einfach, worauf wir Lust hatten. Gegen Ende des Prozesses entschieden wir uns dann, ein paar Songs dazu zu nehmen, die nicht so nah an dem waren, was wir für das Album bereits ausgewählt hatten. Dieses Mal wollten wir unbedingt viele kleine Details in die Songs einbauen. Deshalb denke ich, dass das Album irgendwie ungewollt technischer geworden ist. Zumindest ist der technische Aspekt nicht unser Hauptfokus, wenn wir Songs schreiben. Eingängiges und einprägsames Songwriting wird für uns immer das Hauptaugenmerk sein. Der technische Aspekt ist immer zweitrangig.“

Wirkungsseitig klingt bei HEXIS vieles nach Isolation, Sorgen, Verzweiflung und existenziellen Ängsten. Hörer:innen müssen entscheiden, wie nah sie die musikalische Boshaftigkeit und Schwärze an sich heranlassen. Eines steht allerdings fest: „Aeternum“ reicht tief und man kann sich darin verlieren: „Die Texte auf dem Album drehen sich um die Geschichte einer Person, die in einer alptraumhaften Welt lebt“, umreißt der Frontmann. „Einige Dinge basieren auf einer fiktiven Geschichte. Andere Teile spiegeln, was ich persönlich erlebt und gefühlt habe.“ Als hätte man es geahnt.

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